Die Korrespondenten

berichten für Print- und Online-Medien über Verbraucher-, Sozial- und Wirtschaftspolitik aus der Hauptstadt.

Unseren Partnern

bieten wir täglich aktuelle Artikel und Kommentare zum Abdruck in Print- und Onlinemedien. Die Nutzung ist honorarpflichtig. Über die Bedingungen informieren wir Sie gerne. Um Texte aus dem Kundenbereich herunterzuladen, klicken Sie bitte oben auf "Login" und geben Ihr Passwort ein.

Newsletter

Immer wieder buchen unseriöse Firmen kleinere oder größere Beträge von den Konten nichts ahnender Bankkunden ab. Ob die fiesen Machenschaften ein Ende nehmen, wenn die neuen internationalen Kontonummern Pflicht werden, weiß Christian Gollner. Im Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Mandy Kunstmann erklärt der Jurist auch, wie sich Betroffene gegen die fiese Abzocke zur Wehr setzen können.

Im Extremfall die Kontonummer ändern

Bild: VZ Baden-Württtemberg

12.08.10 – Mandy Kunstmann: Herr Gollner, wird Gaunern, die im Besitz von Bankdaten sind, das Handwerk gelegt, wenn die alten Kontonummern auf die neuen internationalen Kontonummern umgestellt werden?

 

Christian Gollner: Nein, überhaupt nicht. Wenn ich die nationalen Kontodaten habe, kann ich daraus die internationalen Daten generieren. Die Kontonummer ändert sich ja nicht, sondern sie wird nur anders dargestellt – im Zusammenhang mit der alten Bankleitzahl, dem Ländercode und einer Prüfziffer.

 

Kunstmann: Wie kommen die Abzocker an die Kontodaten?

 

Gollner: Wir vermuten, dass die Angaben größtenteils aus illegalem Datenhandel stammen. Es sind Fälle bekannt geworden, in denen Mitarbeiter im großen Stil Kundendaten aus ihrem Unternehmen entwendet haben. Kontonummer und Bankleitzahl erfragen unseriöse Unternehmen auch bei unerlaubten Telefonanrufen und schieben den überraschten Bürgern unter Vorwand dazu noch Verträge unter.

 

Kunstmann: Was sind das denn für Vorwände?

 

Gollner: Der Anrufer am anderen Ende tischt dem überrumpelten Verbraucher eine Lügengeschichte auf. „Hallo, hier ist die Datenschutzzentrale“ heißt es dann zum Beispiel, „drei Unternehmen wollen bei Ihnen illegale Abbuchungen durchführen. Für nur einmalig 59,95 Euro können wir das stoppen.“

 

Kunstmann: Welcher Schaden tragen die Bürger durch unseriöse Abbuchungen davon?

 

Gollner: Um 40 bis 60 Euro werden die Betroffenen im Schnitt bei einer Abbuchung gebracht. Es gibt aber auch Bürger, denen mehrere Hundert Euro monatlich vom Konto abgehen, weil gleich diverse „Dienstleister“ bei ihnen abkassieren.

 

Kunstmann: Und wie wehren sich Verbraucher gegen die Kontoplünderung?

 

Gollner: Wir raten dazu, sparsam bei der Angabe von Daten zu sein. Preisausschreiben von Unternehmen zum Beispiel, dienen oft vorrangig dem Ziel, Daten für Werbung einzusammeln. Bankkunden sollten regelmäßig ihre Kontoauszüge durchschauen und unbekannte Beträge von der Bank zurückbuchen lassen. Im Extremfall hilft es, die Kontonummer zu wechseln. Das ist zwar zweitaufwendig und kostet etwas, doch manchmal ist es die einzige Lösung.

 

Bio-Box: Christian Gollner ist Jurist und seit April 2010 als Telekommunikationsexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg beschäftigt. Davor ist er für die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz tätig gewesen.

 

Mandy Kunstmann


Kommentare

Beitrag kommentieren?